Alpenüberquerung mit Baby in der Elternzeit – Die wichtigsten Fragen und Antworten

Alpenüberquerung mit Baby in der Elternzeit – Die wichtigsten Fragen und Antworten

Alpenüberquerung mit Baby? Klar geht das. Caro ist mit ihrem vier Monate alten Sohn Maxim und ihrem Mann Basti drei Wochen über bzw. genauer gesagt, durch die Alpen gewandert. Ein Familienprojekt, welches sie so nicht mehr missen möchte.

Wenn man mit ihr darüber spricht, dann klingt so ein Vorhaben mehr als einfach. Sie sagt aber auch selbst von sich und ihrem Mann, dass sie weniger die ängstlichen Gedankenwälzer sind, sondern eher vom Typ „Einfach machen“. Das merkt man.

Für meinen Blog hat sie in einem Interview die wichtigsten Fragen zum Thema Weitwanderung mit Baby beantwortet. Und ihr Rat an alle neuen Eltern – um das Ende des Interviews schon einmal vorweg zu nehmen – Einfach ausprobieren und machen, ohne Druck!

Weitwandern in der Elternzeit

Wie viel Zeit habt ihr euch für die Alpenüberquerung mit Baby gelassen oder anders gefragt, wie viele Kilometer habt ihr insgesamt und pro Tag zurückgelegt? Gab es Rasttage?

In drei Wochen sind wir knapp über 300 km gewandert, dabei haben wir geschätzte 9.000 Höhenmeter zurückgelegt. Anschließend haben wir noch eine Woche am Gardasee verbracht.

Pro Tag sind wir zwischen 12 und 23 km gelaufen. In den drei Wanderwochen hatten wir 17 Wandertage und 4 Rasttage.

Wie genau sah eure Route über die Alpen mit Baby aus?

Zunächst vorab: Wir haben die Alpen nicht überquert, sondern streng genommen eine Alpendurchquerung gemacht, d.h. wir sind durch die Täler von Ort zu Ort gelaufen. In der Höhe hätten wir im Mai/Juni noch nicht laufen können, außerdem hätten wir den anderen Wanderern kein Baby im Schlafsaal antun wollen!

Unsere Route: Vom Walchensee über Seefeld – Innsbruck – Brennerpass – Sterzing – Bozen – Kalterer See – Molveno See – Pietramurata – Gardasee.

Grundlage war der vom ADAC Wanderführer beschriebene Goetheweg (führt in 25 Etappen von München nach Verona). Wir haben allerdings ab Salurn die Route etwas geändert, da es zu heiß wurde und sind, statt weiter durch das Tal zu laufen, zum höher gelegenen Molveno-See ausgewichen.

Alpenüberquerung Baby Wanderführer

Warum habt ihr euch für eine Fernwanderung mit Baby entschieden?

Wir lieben es, auch im Urlaub sportlich aktiv und draußen in der Natur zu sein. Die einwöchigen Trekkings, die wir auf Island und in Patagonien noch ohne Baby unternommen hatten, haben unser Interesse an Fernwanderungen geweckt. So haben nach einer Möglichkeit gesucht, 4 Wochen unserer Elternzeit dafür zu nutzen – wann hat man schonmal so lange am Stück frei?

Da wir Hüttenübernachtungen aus Rücksichtnahme auf die anderen Wanderer und Zelten aus Organisationsgründen (wer soll das alles tragen?) ausgeschlossen hatten, haben wir Routen „in der Zivilisation“ gesucht. Ursprünglich hatten wir mit dem Jakobsweg geliebäugelt, uns dann aber umentschieden, als wir per Zufall auf den Goetheweg, der durch die Alpen führt, gestoßen sind.

Elternzeitreise Alpen

Wie schwer ist euch die Entscheidung gefallen, solch eine Wanderung zu unternehmen?

Ganz und gar nicht schwer!

Circa drei Monate nach der Geburt war klar, dass die wichtigsten Rahmenbedingungen erfüllt sind: Ich als Mama fühlte mich fit, das Baby zeigte keinerlei Auffälligkeiten oder Beeinträchtigungen und er fühlte sich in der Trage wohl.

Also wussten wir, wir können es angehen!

Maxim war 4 Monate alt, als wir dann losgewandert sind. Im Grunde das perfekte Alter für eine Weitwanderung. Sein Bewegungsdrang war noch nicht so groß, wie bei einem Krabbelbaby und da ich ihn voll gestillt habe, mussten wir uns keinerlei Gedanken um die „Brei-Logistik“ machen.

Was waren eure größten Ängste/Sorgen vor der Alpenüberquerung bzw. Durchquerung mit Baby?

Ehrlich gesagt sind wir beide ganz und gar keine ängstlichen Typen und auch für dieses Vorhaben haben wir uns keine Sorgen gemacht.

Wir sind es aber auch ganz entspannt angegangen und wussten, dass wir jederzeit abbrechen und mit dem Zug entweder nach Hause oder direkt zum Gardasee fahren können, falls unsere Fitness, das Baby oder äußere Umstände dies erforderlich machen würden. Das hat dann auch unsere Familien beruhigt.

Alpenüberquerung mit Baby im Regen

Wie viel Wandererfahrung habt ihr?

Wir sind definitiv keine Profis, haben aber in den letzten Jahren immer wieder unsere Urlaube genutzt, um wandern zu gehen. Von 3- bis 4-tägigen Hüttenwanderungen in den Alpen oder auf Mallorca (Tramuntana) bis hin zu einwöchigen Trekkingtouren in Nationalparks in Patagonien und Island war alles dabei.

Gerade diese Trekkingtouren haben uns das notwendige Selbstvertrauen für unser Vorhaben gegeben – wenn wir über 15 kg Ausrüstung (Zelt, Schlafsack etc.) tragen konnten, warum dann nicht auch unser Baby?

Weitwandern Baby Gepäck

Wo habt ihr während der Wanderung übernachtet?

Wir haben immer ein eigenes Zimmer gehabt, d.h. wir haben in Hotels, Ferienwohnungen und Pensionen übernachtet.

Hinsichtlich Komfort und Ambiente war (im Guten und im Schlechten) alles dabei; besondere Highlights waren Unterkünfte mit Sauna, sowie die Übernachtungen in einem Schlaffass (Campingplatz Natterer See) und in einer eigenen kleinen Mühle (Tschiedererhof in Vahrn bei Brixen).

Übernachtung im Weinfass mit Baby

Habt ihr alle Übernachtungen vorab gebucht?

Wir haben alle Übernachtungen erst am Vortag beziehungsweise zum Teil sogar erst am gleichen Tag gebucht – Dank Booking.com bzw. dem Internet ja kein Problem mehr.

Das würden wir auch jederzeit wieder so machen, da wir dadurch die jeweiligen Tagesetappen abhängig von unserer Verfassung, Wetterlage etc. kurzfristig anpassen konnten.

Wie habt ihr das bei der Weitwanderung mit den Windeln und Babysachen gemacht?

Maxim wurde noch voll gestillt, hier brauchten wir also keine Utensilien.

Wir wickeln normalerweise mit Stoff – das konnten wir während der Wanderung leider nicht beibehalten und sind für diese Zeit auf Wegwerfwindeln umgestiegen. Da wir aber durchgehend in der Zivilisation unterwegs waren, konnten wir Windeln problemlos alle paar Tage nachkaufen.

Als wichtigste Utensilien haben sich die abwaschbare Wickelunterlage, das „Multifunktions-Spucktuch“ sowie eine kleine Wolldecke erwiesen.

Ab und zu wurde uns ein Babybett zur Verfügung gestellt, ansonsten hat Maxim zwischen uns im Doppelbett geschlafen. Da er für einen Hochstuhl noch zu klein war, hat er die Mahlzeiten immer bei uns auf dem Schoß verbracht.

Wir haben eine Baby Phone App auf unseren Handys installiert, so dass wir ab und zu allein zum Abendessen konnten, während er im Zimmer schlief.

Alpenüberquerung Baby Spaß

Wie viel habt ihr vorab organisiert?

Die Vorbereitung bestand hauptsächlich darin, dass wir uns generell zum Thema Wandern mit Baby schlau gemacht und den ADAC Wanderführer zum Goetheweg gelesen haben. Darauf basierend haben wir die Etappen geplant.

Für die erste Woche hatte ich auch potenzielle Unterkünfte herausgesucht, das wäre allerdings gar nicht nötig gewesen.

Wie viel Gepäck hattet ihr dabei? Habt ihr unterwegs gewaschen?

Basti hat einen großen Rucksack mit circa 15 kg und die Kamera getragen und ich einen kleinen Rucksack mit leichten Sachen wie Windeln, Proviant, Jacken etc., der insgesamt 5 kg gewogen hat – und natürlich das Baby.

Wir haben uns insbesondere bei Kleidung wirklich auf das Allernötigste beschränkt und circa 1x pro Woche mit der Hand gewaschen. Merinowolle macht‘s möglich.

Wandern mit Baby

Wie viel Babykleidung hattet ihr dabei?

3 Bodies, 2 Strumpfhosen, 1 Strampler, 1 Paar Socken, 1 Hoodie, 1 Fleece-Anzug, 2 Mützen, Sonnenhut. Dazu noch Fleece-Tragestiefel von Mamamotion (super praktisch bei Wind oder kühleren Temperaturen, da das Baby noch eine extra Lage bekommt, ohne dass es in der Trage zu warm wird) sowie zum Schlafen noch 1 Strampelsack.

Welche Babytrage nutzt ihr?

Manduca XT Hemp

Habt ihr euch ein bestimmtes Tagesziel gesetzt und das dann immer erreicht?

Das Grundgerüst der Etappenplanung war mehr oder weniger identisch mit den Etappen im Wanderführer, allerdings haben wir immer wieder Anpassungen vorgenommen.

Sofern wir gut in der Zeit lagen und uns fit gefühlt haben, sind wir auch schon mal weitergelaufen, als eigentlich vorgesehen war; umgekehrt haben wir an Regentagen das Pensum von vornherein verkürzt.

Alpenüberquerung mit Baby Berge

Was war der schönste Moment eurer Alpenüberquerung mit Baby?

Puh, schwer zu sagen! Der Zieleinlauf am Gardasee war es jedenfalls nicht. Ist ja nicht so, dass da irgendjemand steht und applaudiert oder so. Da taucht dann plötzlich der See auf, es windet ganz schön und man ist da. Für uns ein großes Ereignis, während alle anderen wahrscheinlich dachten, wir kamen von der Bushaltestelle gelaufen. Aber wir erwarteten ja auch keinen Beifall, ohnehin war im wahrsten Sinne des Wortes der Weg das Ziel.

Letztlich waren es all die kleinen Momente, die man gar nicht festhalten kann, die unsere Reise aus- und besonders gemacht haben und natürlich die Zeit zu dritt als kleine Familie.

Am meisten werden wir uns wahrscheinlich an die Begegnungen erinnern – zum Beispiel mit einer pensionierten Lehrerin in Tramin, die uns erst neugierig angesprochen und dann ein Stück begleitet und zum Mittagessen zu sich nach Hause eingeladen hat. Es stellte sich heraus, dass sie ehrenamtlich für das dortige Dorfblatt schreibt, und letztlich sind wir tatsächlich mit Foto in der nächsten Ausgabe gelandet – eine tolle und bleibende Erinnerung!

Am liebsten wären wir noch weitergelaufen, wobei wir die naheliegenden Optionen (weiter den See runter bis Verona bzw. alternativ einfach wieder zurück) nach kurzer Überlegung verworfen haben (zu heiß bzw. eindeutig zu bescheuert).

Alpenüberquerung Familie Gardasee

Was war euer Tiefpunkt bei der Wanderung?

Da fällt mir der Moment ein, als plötzlich mitten im Wald der Weg in einer unpassierbaren Baustelle endete, und wir 5 km wieder zurücklaufen mussten – und das gleich zu Beginn einer über 20 km Etappe! Wir waren nach 10 km also wieder mehr oder weniger am Ausgangspunkt – das drückt ordentlich die Stimmung. Letztlich konnten wir dann für einen Teil der Strecke einen Bus nehmen und trotzdem am geplanten Tagesziel übernachten.

Was würdet ihr Eltern raten, die ebenfalls solch eine Fernwanderung mit Baby planen?

Wir würden raten, sich im Vorfeld zu informieren, ob alle Rahmenbedingungen gegeben sind (Fitnesslevel, Alter und Gesundheit des Babys, etc.). Und dann: Einfach ausprobieren und machen, ohne Druck!

Gerade, wenn man sich so ein gemeinsames „Projekt“ vornimmt, schweißt das ungemein zusammen – sicherlich mehr, als ein Pauschalurlaub das tun würde.


Baby beim Weitwandern

Klingt ganz einfach, oder? Aber natürlich war es nicht immer „einfach“.

Die drei sind nämlich bei kalten 3 Grad losgezogen und Sonnenschein gab es auch nicht durchweg. In strömendem Regen wandern bis zur nächsten Unterkunft, ohne die Möglichkeit einer Still- und Wickelpause, ist auch vorgekommen.

Solche Erfahrungen gehören beim Wandern aber einfach dazu und haben das positive Erlebnis der drei kein bisschen geschmälert.

Ein letzter Tipp, den euch Caro mit auf den Weg geben möchte: Nutzt auf jeden Fall beim Wandern eine Open Street Map, denn mit Google Maps kommt man nicht so richtig weit. Die beiden haben sich für die App Komoot entschieden und am Abend vorher immer den nächsten Wander-Tag geplant. Da der Goetheweg im Tal entlangführt, wanderte die Familie oftmals auf Wegen entlang einer Straße. Darauf hatten sie natürlich wenig Lust. Mit der App konnten sie so naturnahe Wander-Alternativen finden. Wir nutzen dazu übrigens OsmAnd.

Von meiner Seite nochmals: „Hut ab, für solch ein großartiges Projekt während der gemeinsamen Elternzeit!“

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Author

Hi, ich bin die Steffi: Reisende, Frischluftsüchtige, Bewegungsjunkie, Bergliebhaberin, Aussichten-Genießerin, Mama des Weltreisebabys und Autorin des Blogs a daily travel mate. Der Reise- und Wanderblog für große und kleine Aktiv-Reisende.

1 comment

  • Hut ab, auf den Gedanken wäre ich nie gekommen. Damals, als unser Sohn noch so klein war, war ich noch ziemlich unentspannt. Da wäre so eine Weitwanderung nie zur Diskussion gestanden. Heute, 8 Jahre später bereue ich es, dass wir die Zeit nicht besser genutzt haben. Ein tolles Interview, das hoffentlich viele frischgebackene Eltern ermutigt!
    Viele Grüße
    Charnette

    Reply

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