Reisebekanntschaften: Von Christus-Statuen und Vulkan-Besteigungen

Reisebekanntschaften: Von Christus-Statuen und Vulkan-Besteigungen

Neun Monate reise ich bereits um die Welt. Die Fülle an neuen Eindrücken ist riesig. Manchmal so groß, dass es meinen Kopf fast zum Überlaufen bringt. Dann rebellieren Kopf und Körper. Sie brauchen eine Pause und mahnen mich zum langsamen Reisen. Und das ist gut so. Denn es muss weiterhin Platz bleiben. Platz für neue Eindrücke und neue Begegnungen.

ReisebegegnungenDa passt es perfekt, dass mich Christoph, Autor des Blogs Jakobsweg-Küstenweg, letzte Woche nach besonderen Begegnungen auf meiner Reise gefragt hat.

Welche Reisebekanntschaft oder welcher Reisende (ob populär, fiktiv oder persönlich bekannt) hat dich am meisten geprägt?

Diese Frage nehme ich zum Anlass, um inne zu halten. Mir die Zeit zu nehmen und die letzten Monate noch einmal Revue passieren zu lassen.

Ich will euch von zwei Begegnungen erzählen, von denen ich etwas für die Reise bzw. das Leben lernen konnte.

Ich glaube daran, dass jede Situation im Leben einen Sinn hat – auch wenn dieser nicht immer sofort offensichtlich ist.

In diesem Zusammenhang ist meine erste Begegnung, die unter den ausgebreiteten Armen von Cristo Redentor stattfand, eine Mahnung gewesen, an die ich mich meine ganze Reise lang erinnern soll.

Bei der zweiten Begegnung geht es um das Meisten von schwierigen Herausforderungen. In den letzten Monaten musste ich nicht davon Gebrauch machen. Ich bin mir allerdings sicher: Wenn diese Reise vorbei ist, dann werde ich öfters daran denken, was ich bei der Besteigung eines knapp 5.600 Meter hohen Vulkans in Chile gelernt habe.

Brasilien – Auf dem Corcovado

Es ist ein wunderschöner Tag in Rio de Janeiro. Die Sonne scheint und die Luft ist klar. Bereits nach wenigen Stunden bin ich der Stadt mit Haut und Haar verfallen.

Ich fühle mich frei und glücklich. Und ein wenig wehmütig, denn meine letzten Tage in Brasilien sind angebrochen.  Vier Wochen bin ich durch das Land gereist, das so riesig ist, dass sich ein Monat wie ein Tropfen auf den heißen Stein anfühlt.

Die letzten vier Wochen waren auch der Auftakt zu meiner einjährigen Weltreise. Und dieser Auftakt hätte nicht besser sein könne. Von Recife bin ich nach Camocim gereist, habe die einzige Wüste des Landes gesehen und bin in den Bergen des Chapada Diamantina Nationalparks gewandert, ehe es mich von Salvador de Bahia nach Rio de Janeiro verschlagen hat.

Während ich meinen Erinnerungen nachhänge, stehe ich auf dem Corcovado. Der 710 Meter hohe Berg mit der Christus-Statue Cristo Redentor ist das Wahrzeichen der Stadt. So wie Big Ben für London oder das Opera House für Sydney. Von hier oben genieße ich mit unzähligen weiteren Touristen den Blick über Rio de Janeiro und die Guanabara-Bucht.17_Rio de Janeiro

Ich mache mir noch einmal deutlich bewusst, dass dies erst der Anfang der Reise ist. Es geht nicht zurück nach Deutschland und zurück in den bekannten Alltag. Ich grinse über beide Ohren und schieße sicherheitshalber noch ein Dutzend Fotos von der beeindruckenden Aussicht an diesem sonnigen Vormittag. Ich kann mich kaum satt sehen.

Neben mir steht ein junger Mann, der ebenfalls lächelt. Nicht, weil ihn dieser Ort und die Aussicht so sehr begeistern. Nein, er belächelt die Touristen um uns herum (was mich wahrscheinlich mit einschließt). Wie wir hier stehen und Fotos schießen. Ihm persönlich können die Aussicht von hier oben und die 38 Meter hohe Christus-Statue keine Begeisterungssprünge abringen, erzählt er mir. Dazu hat er hat in den letzten Monaten auf seiner Reise schon zu viele beeindruckende Orte gesehen.

Diese kurze Begegnung stimmt mich nachdenklich. Ich versuche seine Aussage einzuordnen. Ich weiß, wer viel reist, der sieht viel. Es stimmt, man stumpft ein bisschen ab. Nicht jedes vermeintliche Touristen-Highlight kann einen mehr beeindrucken. Aber die Aussicht vom Corcovado?Rio de Janeiro

Ich nehme diese Begegnung als Warnung. Ich will auf meiner Reise nicht abstumpfen. Ich will meine Neugierde und vor allem meine Begeisterung nicht verlieren. Ja, ich will nicht wie dieser junge Mann werden.

Ich will auf meinen Körper und meine Gefühle hören, so dass ich die Warnsignale erkenne, die mich mahnen, langsam zu reisen, sollte meine Euphorie für die Reise einmal schwinden. Ich will so lange an einem Ort verweilen, bis mein Kopf und mein Körper wieder bereit sind, neue Eindrücke mit der gleichen Begeisterung wie zu Beginn der Reise aufzusaugen. Ich will einer von hunderten Touristen auf dem Corcovado sein, der Fotos schießt und der begeistert die Aussicht genießen kann.

Nach neun Monaten kann ich übrigens sagen: Ich fühle mich überhaupt nicht abgestumpft. Ich bin noch lange nicht satt die Welt zu bereisen. Das Gegenteil ist der Fall: Je länger ich reise, desto größer wird der Hunger. Aber das ist eine andere Geschichte.

Chile: Atacama-Wüste – Der Láscar Vulkan

Um fünf Uhr morgens schäle ich mich aus dem Bett. Ich habe schlecht geschlafen. Vor Aufregung. Heute will ich einen fast 5.600m hohen Vulkan besteigen – den Láscar Vulkan. Die letzten vier Wochen habe ich mich in Peru und Bolivien jeden Tag über 3.500 Meter und höher aufgehalten. Ich weiß, ich bin ausreichend akklimatisiert. Und dennoch: 5.600m sind eine große Belastung für den Körper. Dazu kommt, dass der Láscar Vulkan ein noch aktiver Vulkan ist – eine Tatsache, die sich irgendwo in meinen ängstlichen Kopf seinen festen Platz gesucht hat.

Falls ihr euch gerade vorstellt, wie ich zu einer mehrtägigen Expedition aufbreche: Weit gefehlt. Von der chilenischen Stadt San Pedro de Atacama fährt uns unser Guide mit dem Auto hinauf auf den Altiplano. Der Altiplano ist eine Hochebene mit einer durchschnittlichen Höhe von 3.600 Meter, die zwischen den Hochgebirgsketten der West-Anden und der Ost-Anden liegt. Keine kurvigen Straßen, die sich eine Gebirgskette hochschrauben. Nein, es geht fast nur schnurstracks gerade aus. Vier Stunden später – davon 3 Stunden über eine holprige Off-Road-Piste – sind wir auf 4.800 Metern angekommen.Vulkan Lascar Reisebegegnungen

Nach einem kleinen Frühstück macht sich unsere fünfköpfige Trekking-Gruppe bereit für den Aufstieg. Ich habe ein mulmiges Gefühl. Ich versuche Warnsignale an meinem Körper zu entdecken. Alles ruhig.

Nach wenigen Minuten Fußmarsch will ich bereist anhalten und eine Verschnaufpause einlegen – das Atmen in dieser Höhe fällt mir schwer. Unser Guide lässt mir keine Zeit für eine Pause. Er motiviert mich, langsam weiter zu gehen. Denn Pausen führen dazu, dass sich der Körper nicht an die Belastung in dieser Höhe gewöhnen kann. Ich mache einen Schritt nach dem anderen und versuche ruhig und gleichmäßig zu atmen: Rechter Fuß vor, bedeutet einatmen, linker Fuß vor, bedeutet ausatmen. Ich beiße die Zähne zusammen. Nur nicht anhalten, denke ich

Der Guide verspricht uns, dass das Schlimmste nach einer dreiviertel Stunde überstanden sein wird. Solange sollen wir durchhalten. So stampft unsere Gruppe im Schneckentempo an anderen Wanderern vorbei. Es ist hart, aber es wäre noch härter, dem Körper zu viele Pausen zu gönnen. Und ja, nach einer knappen dreiviertel Stunde wurde es leichter. Ob es auch damit zu tun hatte, dass der Weg ein wenig abgeflacht ist?

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht erreichten wir alle – dank der Taktik unseres Guides –wohlbehalten den Kraterrand auf fast 5.600 Meter Höhe. Ein unbeschreiblich tolles Gefühl.Reisebegegnungen Vulkan Lascar

Was ich aus dieser Situation für das Leben gelernt habe? Ich will mich bei der nächsten schwierigen Herausforderung an unseren Guide erinnern.

Der erste Schritt besteht zunächst darin, sich einer Herausforderung zu stellen. Ist diese erste Hürde genommen, dann gilt folgendes: Dranbleiben, weitermachen, durchhalten, Zähne zusammen beißen. Selbst wenn es nur sehr langsam vorangeht. Es ist wichtig, beständig einen Schritt nach dem anderen zu gehen. Ich werde mein eigener Guide sein und mich antreiben. Im Vertrauen drauf, dass es ab eine gewissen Punkt einfacher wird.

Gibt es eine Begegnung auf eurer Reise, die euch bis heute nicht mehr aus dem Kopf gegangen ist? Dann rein damit in die Kommentare.


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Hi, ich bin die Steffi: Reisende, Frischluftsüchtige, Bewegungsjunkie, Bergliebhaberin, Aussichten-Genießerin, Mama des Weltreisebabys und Autorin des Blogs a daily travel mate. Der Reise- und Wanderblog für große und kleine Aktiv-Reisende.

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