Einen Camper für die Elternzeitreise mieten oder kaufen: So findest Du das richtige Modell

Einen Camper für die Elternzeitreise mieten oder kaufen: So findest Du das richtige Modell

Zuletzt aktualisiert am 21. März 2022

Nach unserer ersten Elternzeitreise stand fest, dass wir auch mit einem zweiten Kind eine lange gemeinsame Reise machen würden. Diesmal wollten wir mit dem Camper unterwegs sein. Als Ziele konnten wir uns Südamerika und Europa vorstellen. Aufgrund der Corona Pandemie stand relativ früh fest, dass es Europa wird, und so stecken wir seit Anfang/Mitte 2021 Zeit in die Vorbereitungen für unsere sechsmonatige Campingreise, die im April 2022 starten soll. Um nicht in Stress zu geraten, würde ich auch anderen Familien raten, so früh mit der Planung zu beginnen. Wie ihr hier noch lesen werdet, kann man nicht davon ausgehen, dass alles glatt läuft. Etwas zeitlicher Puffer kann daher nicht schaden.

Ein Beitrag von Co-Autorin Simone über Camper Modelle für die Elternzeit

Auf eine grobe Route haben wir uns bereits geeinigt, wobei wir uns die Flexibilität beibehalten möchten, spontan Änderungen vorzunehmen. Zum Start soll es schnell Richtung Süden und damit ins Warme gehen. Wir möchten mit der Fähre von Italien nach Griechenland übersetzten. Dann soll es auf so vielen Umwegen wie möglich über den Balkan zurück nach Deutschland gehen. Nachdem also feststand, wann und wohin wir reisen wollen, galt es die nächste W-Frage zu beantworten: Womit? Wir hatten nämlich noch keinen Camper und ehrlicherweise auch wenig Ahnung von der Materia. Wir standen also vor der Herausforderung, ein passendes Fahrzeug für unsere Elternzeitreise zu viert zu finden.

Camper Modelle Elternzeit:Kind spielt vor Camper Van

Auch wenn die Preise für Reisemobile aufgrund der hohen Nachfrage aktuell sehr hoch sind, schien uns ein Kauf die beste Alternative zu sein. Für unsere geplante halbjährliche Reise würden Mietkosten von ca. 20.000 € anfallen. Wenn man bereit ist, Zeit und Nerven in die Suche nach einem geeigneten Camper zu stecken, stehen die Chancen hingegen gut, durch einen Kauf und den Verkauf nach der Reise mit deutlich geringeren Kosten auszukommen.

Camper Modelle für die Elternzeit

Welche Voraussetzungen soll unser Camper mitbringen?

Größe und Anzahl der Schlafplätze

Viele vierköpfige Familien wählen ein Wohnmobil mit einem Bett für zwei Personen im Heck und einem Alkoven für zwei Kinder über der Fahrerkabine. So ein großes Fahrzeug bietet angenehm viel Platz und Stauraum, kam für uns jedoch – so verlockend das auch sein mag – nicht in Frage.

Zum einen, weil man mit einem großen Reisemobil Einschränkungen in Bezug auf die fahrbaren Wege in Kauf nehmen muss. Schmale Straßen und Gassen sind damit nicht befahrbar und wir wünschten uns ein wendigeres Fahrzeug. Außerdem ist der Spritverbrauch bei größeren Fahrzeugen höher und auch die Kosten für Fährfahrten steigen mit der Größe des Campers.

Auch wenn wir planen, die meiste Zeit draußen zu verbringen, sollte der Camper dennoch ausreichend Platz bieten, um sich z.B. an einem Regentag drinnen aufhalten zu können. Einen Camper, der keine Stehhöhe hat, konnten wir also ausschließen. Außerdem war es uns wichtig, dass wir keines der Betten tagsüber umbauen müssen, um die Dinette (Essbereich im Camper) nutzen zu können. Das war in unserer ersten Elternzeit, in der wir unter anderem sechs Wochen mit einem geliehenen Camper durch Neuseeland gereist sind, der Fall.  Dort mussten wir die Sitzecke jeden Abend zum Bett umbauen. Schon mit einem Kind fanden wir das auf Dauer anstrengend und möchten es nun, mit zwei Kindern dabei, lieber anders haben.

Mit diesen Kriterien hatten wir uns auf einen bis zu 6 Meter langen Kastenwagen festgelegt. Die meisten dieser Fahrzeuge haben jedoch nur ein Bett im Heck. Selbst bei Längsbetten mit bis zu 1,90 m Breite würde uns das auf Dauer mit vier Personen zu eng werden.

Wir haben daher nach einem Kastenwagen mit vier Schlafplätzen gesucht.

Aufteilung

Es gibt im Grunde drei verschiedene Varianten, wie vier Schlafplätze in einem Kastenwagen untergebracht werden können.

Variante 1: Etagenbetten

Eine Option sind zwei Doppelbetten (jeweils ca. 1,50 m breit) übereinander im Heck. Diese Aufteilung bieten bspw. folgende Modelle:

  • Weinsberg Carabus 600 k
  • Pössl Roadstar 600L Revolution
  • Forster Van 599
  • Chausson V594 Max

Wir finden die Lösungen mit Etagenbetten richtig gut. Als Nachteil haben wir nur den evtl. fehlenden Stauraum gesehen. Da bei vielen Modellen die Schränke, die normalerweise ringsum oberhalb des Bettes zur Verfügung stehen, wegfallen, um dort Platz für das obere Bett zu schaffen. Außerdem können Erwachsene sich in beiden Betten nicht aufsetzen. Durch die geringe Höhe fühlt man sich etwas eingeengt, aber daran würde man sich vermutlich schnell gewöhnen. Wenn man die Betten tagsüber zum Herumlungern und Toben nutzen möchte, ist diese Variante sicher auch nicht optimal, aber da finden sich dann bestimmt auch andere Orte.

Variante 2: Bett über der Dinette

Eine weitere Option für uns war ein Bett im Heck für die Erwachsenen und einem weiteren Bett über der Dinette für die Kinder. Hier gibt es verschiedene Varianten vom Hubbett, über ein Ausziehbett oder einem Bett zum Herunterklappen. So hat man den Raum tagsüber frei und kann das Bett am Abend richten, muss aber nicht die komplette Dinette dafür umbauen.

Modelle sind z.B.

  • Weinsberg Carabus MQH
  • VW Grand California 600
  • Knaus Boxstar Solution 600
  • Pössl 2WIN VARIO

Je nach Variante ist der Camper dann entweder deutlich höher (GFK-Hochdach), oder das Bett liegt so tief über der Dinette, dass diese dann nicht mehr genutzt werden kann und der Durchgang versperrt wird, wenn das Bett heruntergeklappt ist (z.B. beim Knaus). Für uns kamen daher nur höhere Fahrzeuge mit dieser Aufteilung in Frage. Denn wir möchten uns ja noch im Camper, oder davor aufhalten können, wenn die Kinder schlafen.

Camper Modelle Elternzeit:Ausziehbett über den Dinette im VW GRad California
Blick in den VW Grand California mit eingefahrenem Ausziehbett, oberhalb der Dinette.

Variante 3: Aufstelldach

Option drei ist ein Kastenwagen mit einem zusätzlichen Bett im Aufstelldach. Hier gibt es eine recht große Auswahl, da viele Hersteller gleich mehrere Modelle anbieten, bei denen ein Aufstelldach ergänzt werden kann.

Diese Option spart Platz im Camper, indem sie das zweite Doppelbett einfach auf das Dach verlagert. Außerdem bietet sie dennoch eine geringe Fahrzeughöhe, da das Dachbett während der Fahrt ja eingeklappt ist.

Leider entfällt durch das Bett auf dem Dach die Option, dort eine Solaranlage anzubringen. Außerdem kann es in kalten Nächten schon etwas kühl werden, denn die Seitenwände der Aufstelldächer sind nicht isoliert.

Hier ein paar Beispiele für Kastenwägen, die es mit Aufstelldach gibt:

  • Pössl Summit, 2 Win Plus, Roadcamp, 2 Win, Roadstar und Roadcruiser
  • Knaus Box-Star, BoxLife
  • Hymer Grand Canyon S und Free S 600
  • Weinsberg Carabus und Caratour
  • Adria Twin Sports 640 SGX
  • Bürstner Campeo oder Eliseo
  • Clever Van

Sonstige Ausstattung

Neben den wichtigsten Faktoren, Größe und Zahl der Schlafplätze, haben wir noch ein paar weitere Ansprüche, die unser Camper erfüllen sollte.

Bad

Obwohl wir in unserem Camper nicht unbedingt eine Dusche benötigen, war es uns wichtig, ein Fahrzeug mit Bad zu kaufen. Eine eigene Toilette in einem separaten Raum gehört für uns einfach zum Mindestbedarf auf einer sechsmonatigen Reise. Ein selbst ausgebauter Camper mit mobiler Toilette war für uns daher keine Option.

Camper Modelle Elternzeit:Bad im VW Grand California

Solaranlage

Da wir möglichst lange autark stehen wollen, war uns eine Solaranlage wichtig. Einfach den Motor für Strom laufen zu lassen, fällt für uns aus Nachhaltigkeitsaspekten raus. An unserem Camper ist bereits eine 104Watt Anlage integriert. Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätten wir auf jeden Fall eine nachgerüstet. Wir werden über den Sommer im Süden Europas unterwegs sein. Entsprechend macht es schon einen kleinen Unterschied, wenn die Batterien auch mit Sonnenenergie gefüllt werden können. Natürlich können wir uns damit nicht komplett versorgen, aber es verlängert definitiv die Zeit, in der wir autark sein können.

Neu oder gebraucht?

Aus Preis- und Nachhaltigkeitsgründen wollten wir kein neues Fahrzeug kaufen. Außerdem sind die Lieferzeiten, aufgrund der aktuell sehr hohen Nachfrage nach Campern, sehr lang und es kommt häufig zu Verzögerungen. Als wir im Frühjahr/Sommer letzten Jahres begonnen haben, uns nach Campern zum Kauf umzusehen, wäre eine Bestellung bis Anfang diesen Jahres schon recht knapp geworden.

Mit der Entscheidung einen Gebrauchtwagen zu kaufen, waren wir in der Modellauswahl weniger frei und mussten schauen, was der Markt zu bieten hat.

Wir hatten vermutet, dass wir viel Zeit benötigen werden, um etwas Passendes zu finden und haben daher bereits ein gutes Jahr vor dem Start unserer Reise mit der Suche begonnen. Wir sind schnell fündig geworden und haben uns bei einer Campervermietung einen Weinsberg Carabus 600 k für das Ende der Saison (Oktober) zum Kauf reservieren lassen. So einfach war es dann aber leider doch nicht. Ende August bekamen wir einen Anruf, dass aus dem Kauf leider nichts wird. Dem Vermieter wurden die neu georderten Fahrzeuge für die nächste Saison abgesagt und somit konnte er die alten Camper leider doch nicht verkaufen. Wir standen also ein gutes halbes Jahr vor Start unserer Reise immer noch ohne Camper da. Unsere Suche ging wieder von vorne los. Weitere Vermieter, die ihre Fahrzeuge aus der letzten Saison zum Verkauf anboten, riefen utopische Preise auf. Von der Vorstellung einen Camper zum günstigen Preis zu bekommen, wie wir ihn vorab für den Weinsberg aus der Vermietung vereinbart hatten, mussten wir uns schnell verabschieden.

VW Grand California 600

Schlussendlich hatten wir dann aber doch noch richtig Glück und haben bei mobile.de einen Grand California 600 entdeckt, der im Münchner Umland von Privat zum Verkauf angeboten wurde. Die Ausstattung war für uns optimal. Der Verkäufer hatte den Wagen Anfang 2021 neu gekauft, war mit seiner vierköpfigen Familie den Sommer über gereist und wollte ihn nun wieder verkaufen. Das war schonmal eine sehr gute Ausgangslage: ähnliche Situation, ähnliche Ansprüche. Es passte wunderbar. Wir waren uns gleich sympathisch und konnten uns auf einen fairen Preis einigen.

Camper Modelle Elternzeit: VW Grand California in den Weinbergen

Den Grand California hatten wir zu Beginn unserer Suche, ein Jahr vor Reisebeginn, noch nicht auf dem Schirm. Der hohe Preis, der auch für gebrauchte Grand Californias noch aufgerufen wird, hat uns zunächst abgeschreckt. Da uns der VW mit der qualitativ hochwertigen Ausstattung und seinem minimalistischen Design aber sehr gut gefiel und wir ja ohnehin vorhaben den Camper nach unserer Reise wieder zu verkaufen, sprach ein hoher Wiederverkaufswert ja eher für als gegen dieses Modell.

Nachdem das Schicksal mit der Absage des Mietcampers also zunächst gegen uns zu sein schien, sind wir im Rückblick froh darüber, dass es so gekommen ist. Der Weinsberg wäre total in Ordnung gewesen und wir hätten uns darin sicher auch wohl gefühlt. Aber unseren Grand California haben wir schon jetzt so richtig ins Herz geschlossen und freuen uns über die Ausstattung und jeden Schnickschnack, wie den Bordcomputer, das dimmbare Licht usw.

Camper Modelle Elternzeit:Wohnbereich VW Grand California 600

Mit der Motorisierung haben wir uns vorab kaum befasst, weil sie uns einfach nicht so wichtig erschien. Im VW Grand California haben uns ein paar mehr Pferdestärken und einige andere angenehme Add-Ons im Fahrzeug dann aber doch überzeugt. Er fährt sich super angenehm und man hat nicht so ein schwerfälliges Lastwagenfeeling, wie wir es z.B. von unserem geliehenen Camper in Neuseeland kannten. Einige nette Dinge wie App-Connect, Rückfahrkamera, Tempomat, Abstandsassistenz und rundum Abstandssensoren machen das Navigieren, Fahren und Rangieren um ein Vielfaches angenehmer.

Wart ihr schon als Familie im Camper unterwegs? Welches Campermodell habt ihr gekauft oder gemietet und welche Aspekte waren euch bei der Auswahl am wichtigsten?


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