Reisen mit Baby – Interview mit Nicole von Ausreißerin

Reisen mit Baby – Interview mit Nicole von Ausreißerin

Interview mit Nicole von Ausreißerin

Interview Reisen mit Baby Ausreisser FamilieHallo, ich bin Nicole und erzähle seit 2,5 Jahren auf www.ausreisserin.de von meinen verschiedenen Reisen. Bisher bin ich allein, mit Freunden oder meinem Mann unterwegs gewesen, am liebsten individuell und vor allem aktiv: Wandern, Canyoning, Rafting, Huskytour, Schneemobilsafari usw.

Mittlerweile ist unsere Tochter Lotta (1,5) mit am Start, die ganz bald noch Verstärkung bekommt. Um weiterhin individuell und aktiv die Welt entdecken zu können, haben wir uns einen Campervan angeschafft, mit dem wir während unserer Elternzeit bereits zwei Monate durch Frankreich und Nordspanien getourt sind.

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Wie unterscheidet sich das Reisen mit Baby?

Beim Reisen mit Baby gibt das Baby den Rhythmus vor. Das ist überhaupt nicht so negativ gemeint, wie es sich vielleicht im ersten Moment anhören mag. Ein Baby hat aber nun mal so seine Bedürfnisse, also Hunger, Wickeln und Schlafen, und die müssen in der Regel SOFORT erfüllt werden, nicht erst in einer halben Stunde. Wenn man sich darauf einstellt, den Rhythmus seines Babys beachtet und danach seinen Reisealltag gestaltet, dann läuft es auch.

Mit Baby „schafft“ man an einem Reisetag weit weniger als es ohne Baby der Fall wäre. Gelegentlich muss man auch Unternehmungen vom Programm streichen, wenn das Baby an dem Tag nicht mitspielt. Als Ausgleich dafür ist das Baby der perfekte Türöffner. Noch nie zuvor sind wir so einfach und häufig mit Menschen ins Gespräch bekommen, so freundlich behandelt und so hilfsbereit unterstützt worden.

Warum sollte man überhaupt mit dem Baby reisen?

Warum nicht? Wir lieben das Reisen, und auf gar keinen Fall will ich Lotta später mal vorwerfen: „Nur wegen DIR musste ich auf all die schönen Reisen verzichten.“

Im Gegenteil, ich möchte meiner Kleinen die Welt zeigen und ihr viele tolle Erfahrungen ermöglichen. Die natürliche Neugier von Kindern macht das zum Glück perfekt möglich. Und so lange ich die Bedürfnisse meines Kindes auf Reisen nicht untergrabe, wird es überall auf der Welt glücklich und zufrieden sein. Hauptsache Mama und Papa sind da, egal wo das „da“ gerade ist.

Interview Reisen mit Baby Ausreisserin Lotta Zarautz

Eine fröhliche Lotta in Zarautz, Baskenland

Wann hast du deine erste Reise mit Baby unternommen bzw. ab welchem Alter findest du eine Reise mit Baby sinnvoll?

Die erste kleine Reise, also einen Wochenendtrip mit unserem neu erstandenen Campervan, haben wir unternommen, als Lotta etwa ein halbes Jahr alt war. Bei ihrer ersten großen Reise, unserer 2-monatigen Elternzeit-Tour durch Frankreich und Nordspanien, war Lotta neun und zehn Monate alt.

Generell muss jede Familie für sich selbst entscheiden, wann sie Lust auf die erste Reise mit Baby hat. Die Gesundheit von Mutter und Kind, vor allem die berühmten Koliken in den ersten drei (bei uns vier) Monaten spielen dabei eine große Rolle. Auf keinen Fall sollte man sich bei der Entscheidung von der Außenwelt unter Druck setzen lassen, weder von den leuchtenden Beispielen der Familien, die direkt nach der Geburt zu einer Weltreise aufgebrochen sind, noch von schwarzseherischen Verwandten und Freunden, die in den ersten zehn Lebensjahren ihrer Kinder aus Angst vor wer-weiß-was gar nicht verreist sind.

Rückwirkend betrachtet wären bei Lotta die Monate fünf bis sieben die besten Reisemonate gewesen. Zu der Zeit war sie sehr genügsam, hat viel geschlafen und sich völlig zufrieden in der Trage herumschleppen lassen. Ab dem achten Monat wurde sie sehr schnell sehr mobil, was gleich alles sehr viel anstrengender hat werden lassen. Für unsere zweite Tochter in spe versuchen wir, diese Erkenntnisse in unsere Reiseplanungen einfließen zu lassen. Da aber jedes Kind anders ist, werden wir sehen, ob das etwas bringt.

Welche Reiseart empfiehlst du bei einer Reise mit Baby? Gibt es eine Reiseart, die für euch überhaupt nicht funktioniert hat?

Unsere persönlichen Erfahrungen erstrecken sich auf Rundreisen mit dem Campervan und einen Silvesterurlaub in einer Ferienwohnung. Sowohl der Camper als auch die Ferienwohnung haben uns als Familie eine gewisse Freiheit und Flexibilität, aber auch Privatsphäre gegeben.

Abgesehen davon, dass ich ohnehin nicht so der Hotelurlaub-Typ bin, könnte ich mich mit Baby im Gepäck im Hotel einfach nicht entspannen, vor allem wenn es – was Babys halt öfter mal tun – lauthals schreit. Aus dem gleichen Grund hätte ich keine Lust auf eine Autorundreise mit B&B-Übernachtungen, wie wir es als Paar in Irland gemacht haben.

Letztlich denke ich, dass die perfekte Reiseart für eine Familie weniger vom Baby, als von den Vorlieben und Wünschen der Eltern abhängt.

Interview Reisen mit Baby Ausreisserin Camping Auvergne

Herrlicher Campingplatz mit tierischen Nachbarn in der Auvergne

Welches Reiseziel bzw. welche Reiseziele empfiehlst du mit Baby? Gibt es ein Reiseland, das für euch überhaupt nicht funktioniert hat?

Ich kann eigentlich weder eine Empfehlung noch eine Warnung aussprechen. Wir waren ja bisher mit Baby „nur“ in Frankreich und Nordspanien, beides hat uns wunderbar gefallen und war absolut Baby-kompatibel. Überall gab es Kinderspielplätze, wo Lotta ihren Bewegungsdrang austoben konnte, Wickelmöglichkeiten und nette Menschen, die uns die Babygläschen aufgewärmt haben. Auch sämtlichen Babybedarf haben wir vor Ort bekommen: Gläschen (teils andere Sorten, aber Lotta hat es geschmeckt), die originalen Pampers (die heißen in Spanien „Dodot“), Feuchttücher & Co.

Gegenüber Fernreisen mit Baby bin ich grundsätzlich nicht abgeneigt, allerdings bindet unser Camper uns aktuell eher an Europa. Sollte es uns dennoch mal in die Ferne ziehen, würde ich  nur solche Länder und Regionen anpeilen, die ein annehmbares Hygienelevel und eine ordentliche ärztliche Versorgung besitzen. Extreme klimatische Bedingungen wie Wüste und die Tropen muss ich mit Baby auch nicht unbedingt haben, das hebe ich mir lieber für die kommenden Jahre auf.

Habt ihr eine längere Reise im Zuge der Elternzeit unternommen? Wenn ja, wohin, wie lange und zu welchem Zeitpunkt? Würdest du es jederzeit wieder so machen?

Wie schon gesagt haben wir unsere zwei Monate gemeinsame Elternzeit genutzt, um mit dem Camper durch Frankreich und Nordspanien zu tingeln. Die Zeit war sehr intensiv und unheimlich toll, und ich möchte sie um nichts in der Welt missen!

Interview Reisen mit Baby Lotta Strand Südfrankreich

Das erste Mal Sand – wie spannend! Lotta am Strand in Moliets, Südfrankreich

Das nächste Mal ist bei uns ja schon in Sichtweite. Am liebsten würde ich die nächste Elternzeit auf den fünften und sechsten Lebensmonat des Babys legen, allerdings ist dann Winter, und auf Wintercamping im kleinen Ford Nugget mit Baby und Kleinkind habe ich mal so gar keinen Bock. Die vorläufige Idee ist daher, im Winter eine nette Urlaubsreise in wärmere Gefilde einzulegen, vielleicht Kanaren, Madeira, Azoren oder, wenn wir uns den weiten Flug zutrauen, sogar nach Neuseeland.

Die eigentliche Elternzeit wollen wir wieder im Camper verbringen. Ich liebäugle etwas mit Skandinavien, wo wir im Mai/Juni die Mitternachtssonne erleben können. Das wird sicherlich anstrengend, weil unser nächstes Baby dann auch schon wieder sehr mobil sein wird, aber Wunschreisealter und Wunschreisejahreszeit passen halt nicht immer zusammen. Immerhin können wir dieses Mal etwas besser abschätzen, worauf wir uns einlassen.

Gab es vor der Reise Ängste die sich bewahrheitet oder nicht bewahrheitet haben? (Das Baby bekommt Krankheiten/Zähne/etc.)

Kurz und knapp: Nein. Ich habe sowohl den Franzosen als auch den Spaniern eine ordentliche medizinische Versorgung zugetraut und mir wiederum genügend Sprachkenntnisse für eine ausreichende Verständigung. Zudem waren wir mit dem Camper so flexibel, dass wir jederzeit hätten unsere Reise abbrechen können.

Welche Gesundheitsvorsorgen speziell für das Baby sind zu empfehlen? (Krankenversicherung, Medikamente, Notfallnummern etc.)

Ich bin ein Impfbefürworter und habe Lotta deshalb gemäß Impfplan impfen lassen. Ansonsten haben wir auf den Rat unserer Kinderärztin hin eine kleine Reiseapotheke mit Fieberzäpfchen, „Viburcol“-Zäpfchen gegen Unruhezustände, Kühlpad, Wundcreme für den Po und für die Zähne diese homöopathischen Belladonna-Kügelchen mitgenommen.

Ist eine Reise mit Baby sehr viel teurer? Wo gibt man definitiv mehr Geld aus? Wo kann man evtl. sparen?

Unsere Reisen mit Baby waren eher günstiger. Häufig zahlen Kinder bis 2 Jahre auf Campingplätzen nichts extra, nur selten fällt eine Gebühr von 2 bis 4 Euro an. Auch die Ferienwohnung kostet mit und ohne Kind das gleiche. Da wir ohne Kind häufiger mal im Restaurant essen waren oder uns irgendwelche besonderen Unternehmungen gegönnt haben, haben wir zu der Zeit höhere „Reise-Nebenkosten“ gehabt als jetzt mit Kind.

Interview Reisen mit Baby Ausreisserin LottaBabymoov

Lotta in ihrem „Thron“ (Sitz von Babymoov)

Ein „Tool“ das dich bei jeder Reise mit dem Baby begleitet hat?

Für unsere Camper-Tour hatten wir den Babysitz von Babymoov empfohlen bekommen, der sich wirklich bewährt hat! In dem Stuhl konnten wir Lotta nicht nur gut füttern, sondern sie dort auch mal kurzzeitig „parken“, so dass sie nicht flüchten und keinen Firlefanz anstellen konnte.

Was war absolut überflüssig im Reisegepäck?

Nicht lachen: Das Plantschbecken. Wir dachten, darin könnten wir Lotta gut baden. Da aber spätestens jeder zweite Campingplatz ein Babybadezimmer mit Babybadewanne besaß, war das Plantschbecken der Zonk in unserem Reisegepäck.

Ansonsten hätten wir uns die Hälfte des mitgenommenen Spielzeugs sparen können. Lottas liebste Spielzeuge unterwegs waren leere PET-Flaschen, die großen bunten Schraubverschlüsse von Milchflaschen, Muscheln und Steine.

Interview Reisen mit Baby Ausreisserin Lotta Emeibabytrage

Mit zunehmender Mobilität sank Lottas Bereitschaft, in der Emeibaby-Trage zu sitzen.

Aktiv mit Baby: Wandern, Joggen, Schwimmen…? Welche Aktivitäten eigenen sich mit Baby am besten? Warum? Braucht man dazu bestimmtes Equipment bzw. hast du eine Empfehlung?

Puuuh! Das kommt unheimlich stark auf das Baby ans sich und sein Alter an.

Wandern war mit Lotta bis zum siebten Monat problemlos möglich. Ich hatte sie in der Emeibaby-Trage, in der Lotta ergonomisch top wie im Tragetuch saß und ich den Vorteil eines Rucksacksystems genoss. Lotta hat unterwegs geschlafen oder interessiert die Umgebung angeschaut, das war echt easy. Mit Beginn der Krabbelzeit fand sie die enge Babytrage offenbar uncool, da ging jeglicher Wanderspaß flöten.

In den Cevennen hatten wir die Möglichkeit, uns eine Kraxe zu leihen. Die Bewegungsfreiheit gefiel ihr deutlich besser, so dass wir erstmals wieder einen entspannten Wandertag genossen haben.

Schwimmen ist für die meisten Babys toll. Lotta hatte jedenfalls riesigen Spaß in den Babypools auf den Campingplätzen. Ich habe ihr eine waschbare Schwimmwindel gekauft, die war top. Der UV-Schwimmanzug hat sich hingegen nicht gelohnt, schließlich sollen Babys im ersten Lebensjahr eh nicht lange der prallen Sonne ausgesetzt werden.

Welchen allgemeinen Tipp oder auch welche Tipps hast du für junge Eltern, die die erste Reise mit Baby planen?

Ich bin gar kein sooo großer Freund von „ultimativen“ Tipps und dogmatischen Ratschlägen, wie man sie vielfach liest. Geschmäcker sind verschieden und Babys ebenso. Es spricht nichts dagegen, sich die Geschichten und Erfahrungen anderer anzuhören bzw. durchzulesen (unsere persönlichen Erfahrungsberichte werde ich in Kürze im Blog einstellen), aber am Ende muss jede Familie ihr persönliches Fazit daraus ziehen.

Eine Erfahrung kann ich aber weitergeben: Egal wie gut und wie viel man sich vorbereitet, die Reise – vor allem mit Baby – verläuft immer anders als geplant. Seid flexibel, hört auf euer Bauchgefühl, genießt die schönen Momente und haltet die Ohren steif, wenn gerade mal etwas schief läuft. Viel Spaß auf euren Reisen als Familie!

Vielen Dank Nicole für das ausführliche Interview zum Thema Reisen mit Baby.


Hier geht es zur kompletten Interview-Reihe:

Interview-Reihe Reisen mit Baby

Author

Hi, ich bin die Steffi: Reisende, Frischluftsüchtige, Bewegungsjunkie, Bergliebhaberin, Aussichten-Genießerin, Mama des Weltreisebabys und Autorin des Reiseblogs a daily travel mate. Der Reiseblog für große und kleine Aktiv-Reisende.

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