Wie Du den Sternenhimmel richtig fotografierst – Eine Anleitung

Wie Du den Sternenhimmel richtig fotografierst – Eine Anleitung

Ich liebe es, bei Nacht zu fotografieren. Der Sternenhimmel mit seinen Sternschnuppen, der Milchstraße und den Sternbildern bietet ein faszinierendes Fotomotiv. Einen Sternenhimmel zu fotografieren ist allerdings nicht ganz einfach.

Hast Du Lust bekommen Sterne zu fotografieren und willst wissen, wie das genau geht? Dann bist Du hier richtig. Die folgenden Tricks und Kniffe helfen Dir, gute Fotos vom Sternenhimmel zu machen.

1. Wähle die richtige Kamera

Ja, es gibt unendlich viele Kameras zu kaufen und noch viel mehr Kamera-Einstellungen wollen beherrscht werden. Für gute Nachtfotos eignen sich nicht alle Kameras. Wichtig für die richtige Wahl sind vor allem das Objektiv und der Bildsensor.

Das richtige Objektiv

Du kannst auf dem Objektiv zwei Kennzahlen ablesen. Das sind zum einen die Blendenöffnung („F-Wert“) und zum anderen die Brennweite (Zoom). Diese Zahlen sind besonders wichtig, um den Sternenhimmel zu fotografieren.

Kameraobjektiv F-Wert und Brennweite

Die Blendenöffnung („F-Wert“)

Je kleiner der „F-Wert“ ist, umso größer ist die maximale Blendenöffnung. Je größer die Blendenöffnung ist, desto mehr Licht kann durch das Objektiv auf den sog. Bildsensor der Kamera gelangen. Mehr Licht auf dem Bildsensor bedeutet, dass die Sterne auf dem Foto gut sichtbar sind.

Geeignete Blendenöffnung wählen
Achte bei der Wahl der Kamera darauf, dass sie ein Objektiv mit einem „F-Wert“ von unter 2 besitzt.

Hier verschiedene Kamerabeispiele, deren Blendenöffnung („F-Wert“) zum Fotografieren des Sternenhimmels geeignet bzw. ungeeignet ist:

Standard „Reise-Zoomer“ Kameras

Canon SX720 HS
Mit F 3.3 ungeeignet
Sensor mit 1/2,3 Zoll ungeeignet

Sony HX90
Mit F 3.5 ungeeignet
Sensor mit 1/2,3 Zoll ungeeignet

Lumix DMC-TZ71
Mit F 3.3 ungeeignet
Sensor mit 1/2,3 Zoll ungeeignet

Hochwertige Kompakt-Kameras

Canon G7 X II
Mit F 1.8 gut geeignet
Sensor mit 1 Zoll geeignet

Sony RX100V
Mit F 1.8 gut geeignet
Sensor mit 1 Zoll geeignet

Lumix DMC-LX15
Mit F 1.4 sehr gut geeignet
Sensor mit 1 Zoll geeignet

Objektive für Spiegelreflex-Kameras

Sigma 18-35mm
Mit F 1.8 gut geeignet

Sigma 18-35mm F1-8 DC HSM

Sony 24mm
Mit F 1.8 gut geeignet

Sony24mm

Sigma 35mm
Mit F 1.4 sehr gut geeignet

Sigma 35 mm f1-4 DG


Ich selbst bin ein großer Fan der Sony RX100 Kompakt-Kamera. Diese hat eine maximale Blendenöffnung von 1,8. Das ist recht gut, wenn man bedenkt, dass die Standardobjektive von Spiegelreflexkameras meist eine maximale Blendenöffnung von 3,5 haben. Alle Nachtfoto, die Du in diesem Artikel siehst, habe ich mit der Sony RX 100 II bzw. IV gemacht.

Die Brennweite (Zoom)

Neben der Blendenöffnung („F-Wert“) kannst Du auf dem Objektiv die Brennweite ablesen. Die Brennweite definiert den Bildausschnitt, der auf Deinen Fotos sichtbar ist.

 

Eine Brennweite mit einem kleinen Wert (< 30mm) – eine sog. kurze Brennweite – entspricht einem Weitwinkel. Der Bildausschnitt ist relativ groß, die Kamera kann mehr erfassen, als das menschliche Auge sehen kann. Eine Brennweite mit einem großen Wert (> 100 mm) – eine sog. lange Brennweite – bedeutet, der erfasste Bildausschnitt ist kleiner und vergrößert (er wirkt wie rangezoomt).

Auf den Zoom-Objektiven ist die Brennweite in einem „von – bis“ Bereich angegeben. Festbrennweiten-Objektive (ohne Zoom) haben eine festgelegte Brennweite.

Sternenhimmel richtig fotografieren Panorama

Wähle für die Fotografie des Sternenhimmels eine kleine Brennweite, damit der Weitwinkel so groß wie möglich ist. Das ist wichtig, damit das Foto wirken kann.

Mit einem Weitwinkel kannst Du das beeindruckende Sternenhimmel-Panorama auf ein Foto bekommen. Eventuell sogar noch Bäume oder Häuser am Rande des Fotos. Nur so kann das Bild wirken. Andernfalls siehst Du ein paar helle Punkte – mehr nicht.

Geeignete Brennweite wählen
Achte bei der Wahl der Kamera auf eine Brennweite von < 30mm. Bei dieser mm-Angabe handelt es sich um einen sog. „Standard“-Wert (Kleinbildformat-Äquivalente Brennweite).

Lass Dich nicht verwirren, wenn auf Deinem Objektiv eine kleinere Brennweite angegeben ist. Auf meiner Sony RX 100 IV steht z.B. 8,8 – 25,7 mm. Das bedeutet nicht, dass ich einen MEGA-Weitwinkel habe, sondern lediglich, dass der Wert anders berechnet wurde (lass uns hier nicht ins Detail gehen, das würde wirklich zu weit führen). Um auf den oben genannten Standard-Wert (< 30 mm) zu kommen, musst Du die auf Deiner Kamera angegebene Brennweite mit einem entsprechenden Faktor multiplizieren. Dieser beträgt bei Standard-„Reise-Zoomer“-Kameras 5,6 und bei hochwertigen Kompakt-Kameras 2,7.

Der richtige Bildsensor

Der Bildsensor der Kamera wandelt Licht in digitale Bildinformationen um. Dieser kann verschieden groß und empfindlich sein. Für die Fotografie des Sternenhimmels benötigst Du einen empfindlichen, d.h. großen Bildsensor, damit dieser mit wenig Licht (bekanntlich ist davon in der Nacht wenig vorhanden) ein brauchbares Bild erzeugt – sonst siehst Du schwarz.

Geeigneten Bildsensor wählen
Der Bildsensor sollte für die Fotografie des Sternenhimmels größer als 1 Zoll sein.
Tipps Sternenhimmel richtig fotografieren

Lagerfeuer-Romantik unterm Sternehimmel


Exkurs zum sog. ISO-Wert

Der ISO Wert wird Dir weiter unten bei den Kamera-Einstellungen nochmals über den Weg laufen. Deswegen hier in aller kürze die wichtigsten Infos dazu.

Die Empfindlichkeit des Sensors wird durch die sog. ISO Kennzahl definiert. Der Standardwert von 100 ist für Aufnahmen bei Tageslicht geeignet und wird von allen Kameras unterstützt. Zum Fotografieren des Sternenhimmels benötigst Du einen hohen ISO Wert. Damit wird die Empfindlichkeit des Bildsensors gegenüber dem Licht erhöht, so dass Aufnahmen hell genug werden. Wo sehr empfindliche Bildsensoren ISO Werte bis 409.600 erreichen, kommen die meisten Kameras nicht über 6.400 hinaus – was für die Fotografie des Sternehimmels für Dich völlig ausreichend ist. Hohe ISO Werte verschlechtern allerdings die Bildqualität durch sog. Rauschen – das Bild wird verpixelt.


2. Sorge für eine gute Fixierung

Im Dunkeln muss Deine Kamera für ein ausreichend belichtetes Foto mehr Licht einsammeln als tagsüber. Das bedeutet, die Belichtungszeit ist nachts viel länger als bei Tag. Während der Belichtungszeit musst Du ganz ruhig halten, um ein scharfes Foto aufzunehmen. Nachts ist es eigentlich unmöglich, Deine Hand entsprechend lange still zu halten. Den Sternenhimmel kannst Du eigentlich nicht „aus der Hand“ fotografieren. Hierfür benötigst Du ein stabiles Stativ.

Nutze, wenn möglich, eine (Kabel) Fernbedienung, um die Kamera beim Drücken des Auslösers nicht zu berühren. Wenn Du keine Fernbedienung hast, nutze einfach den Selbstauslöser. Die meisten Kameras haben einen Selbstauslöser mit 10 Sekunden und einen mit 2 Sekunden Verzögerung. Letztere ist ideal zum Fotografieren des Sternenhimmels.

Sternenhimmel fotografieren Nutze ein Stativ

3. Wähle die richtige Kameraeinstellung

Die Frage nach DER EINEN RICHTIGEN Kameraeinstellung kann leider nicht pauschal beantwortet werden – wäre ja auch zu einfach. Es gibt drei Einstellungen, die Du für das Fotografieren des Sternenhimmels vornehmen musst.

Die Blendeneinstellung

Die Blende sollte immer auf den kleinstmöglichen Wert eingestellt werden. Stelle also Dein Objektiv, das einen „F-Wert“ von z.B. 1,8 ermöglicht, auch auf 1,8 ein.

Die Belichtungszeit

Jede Kamera hat eine minimale und eine maximale Belichtungszeit, abhängig von der maximalen Blendenöffnung („F-Wert“) und der Empfindlichkeit des Bildsensors Deiner Kamera.

Je größer der „F-Wert“ Deines Objektives ist, desto länger musst Du die Belichtungszeit einstellen, sonst wird das Bild zu dunkel.

Für die Fotografie des Sternenhimmels sind mindestens ein paar Sekunden für eine gute Belichtung nötig. Allerdings sollte die maximale Belichtungszeit nicht länger als 30 Sekunden sein, denn aufgrund der Erdrotation werden sonst Sterne zu Sternspuren.

Sternenhimmel richtig fotografieren Sternspuren

Sternspuren (Belichtungszeit ca. 30 Minuten)

Die ISO-Einstellung

Eine gute ISO-Einstellung musst Du an Deiner Kamera selbst austesten. Es gilt ein Mittelmaß zwischen zu dunklen Fotos und zu stark verrauschten Fotos zu finden.

Fange am besten bei einem ISO-Wert von 1.600 an und erhöhe diesen, wenn das Foto des Sternenhimmels zu dunkel ist. Da zu hohe ISO Werte die Bildqualität durch sog. Rauschen verschlechtern, solltest Du den ISO Wert schrittweise erhöhen. Bis Du eine für Deine Kamera geeignete Einstellung gefunden hast.


Info zum Zoom

Wenn Deine Kamera einen eingebauten Zoom hat, solltest Du ihn für die Fotografie des Sternenhimmels nicht nutzen. Je größer der Weitwinkel ist, desto größer ist der fotografierte Bildausschnitt und umso mehr Sterne kannst Du auf das Foto bringen. Bei den meisten Objektiven verringert sich die Blendenöffnung, je weiter gezoomt wird. Dadurch wird eine längere Belichtungszeit notwendig.


Mit der Sony RX100 fotografiere ich bei einem absolut dunklen Sternenhimmel in der Regel 30 Sekunden lang mit Blende 1.8 und ISO 6.400. Das dabei entstehende Rauschen entferne ich weitestgehend mit Adobe LightRoom.

4. Den richtigen Fotospot finden

Keine Lichtquelle

Jede noch so kleine Lichtquelle kann beim Fotografieren des Sternenhimmels dafür sorgen, dass weniger Sterne auf dem Foto sichtbar werden. Hast Du die Möglichkeit eine vorhandene Lichtquelle auszuschalten oder abzudecken, dann solltest Du dies tun. Ideal sind Standorte, die weit ab von Städten liegen. Denn selbst kurz außerhalb einer Stadt ist die „Lichtverschmutzung“ oft noch so groß, dass nur die hellsten Sterne sichtbar sind.

Die besten Fotospots finden sich in der Regel mitten in der Natur. Die Atacama-Wüste in Chile, das Wadi Rum in Jordanien, Neuseeland und Patagonien sind nur ein paar Beispiele von Orten, die ich selbst schon bereist und die einen atemberaubenden Sternenhimmel zu bieten haben.

Neuseeland - Vorfreude auf einen perfekten Sternehimmel

Neuseeland – Vorfreude auf einen perfekten Sternehimmel

Achte auf den Mond

Der Mond ist oft sehr hell und stört die Aufnahme eines Sternenhimmels. Daher solltest Du Dich vorher erkundigen, in welcher Mondphase Du den Mond am Nachthimmel sehen kannst und wann er auf- bzw. untergeht. Die meisten Wetter-Apps zeigen Dir diese Informationen an. Möchtest Du es allerdings ganz genau wissen, dann kann ich Dir die App LunaSolCal empfehlen. Sie gibt neben den Auf- und Untergängen des Mondes auch die Dämmerungszeiten an. Mit dem sog. astronomischen Dämmerungsende weißt Du genau, wann es wirklich richtig dunkel ist und wann Du somit am besten die Sterne fotografieren kannst.

Prüfe den Wetterbericht

Das Wetter spielt beim nächtlichen Fotografieren natürlich ebenfalls eine wichtige Rolle. Eine klare Nacht ist die Voraussetzung, dass das Foto am Ende wirkt. Selbst leichte Schleierwolken verdecken bereits zahlreiche Sterne.

Suche Dir einen Spot tagsüber

Wenn Du alle bisher genannten Tipps beachtest, kann fast nichts mehr schiefgehen. Außer Du findest Dich in der absoluten Dunkelheit nicht mehr zurecht. Suche Dir am besten einen geeigneten Fotospot bereits bei Tageslicht aus.


Hast Du noch Fragen zur Fotografie des Sternenhimmels? Dann schreibe uns diese gerne in den Kommentaren. Ansonsten: Packe Dein Stativ ein und schaue nachts öfters mal nach oben. Vielleicht fotografierst Du den Sternenhimmel schon heute Nacht.

Author

Hi, ich bin Stefan. Reisender, Wanderer, Marathonläufer, leidenschaftlicher Hobbyfotograf und absoluter Fan meiner handlichen Kompaktkamera. Da Reisen und Fotografieren für mich zusammengehören, teile ich auf dem Reiseblog a daily travel mate meine Fototipps mit Dir.

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