Weltreise zu zweit: Wenn die Zweisamkeit eine 24h Angelegenheit wird

Weltreise zu zweit: Wenn die Zweisamkeit eine 24h Angelegenheit wird

Weltreise zu zweitIch brauche einen Rückzugsort und Zeit für mich alleine. Das war schon immer so. Zu viele Menschen oder zu viel Zweisamkeit sind auf Dauer anstrengend für mich. Ich genieße auch die Abende alleine, wenn mein Mann nicht da ist. Dies ist die Zeit, wenn ich zur Ruhe kommen kann.

Ab September geht es zu zweit auf Weltreise. Ich und mein Mann, wir werden 24 Stunden zusammen sein. Und das macht mir ein wenig Angst.

Mit welchen Herausforderungen werden wir zu zweit auf Weltreise konfrontiert sein?

Wie ist das mit der Rollenverteilung?

Ist zu viel Zweisamkeit eine Gefahr für die Liebe hin zur Freundschaft?

Was passiert nach der Reise? Auf was sollten wir vorbereitet sein?

Fragen, die mir unter der Haut brennen und die du dir vor einer längeren Reise mit deinem Partner vielleicht auch schon gestellt hast?

Juliette BoissonDeswegen habe ich Juliette Boisson gefragt. Juliette arbeitet als Heilpraktiker für Psychotherapie bzw. ist Coach & Beraterin. Ihre Schwerpunkte liegen in der Paartherapie und Beratung, dem Liebeskummer und Single Coaching und allen Themen die Beziehungen bewegen. Ihre Münchner Praxis befindet sich am Gärtnerplatz. Im Internet unter:  www.praxis-fuer-beziehungsthemen.de.

Worin siehst du die größte Herausforderung, mit denen ein Paar auf Reisen konfrontiert wird und wie kann man diesen am besten begegnen?

Zu Hause im Alltag sehen wir unsere bessere Hälfte meist nur wenige Stunden des Tages. Auf gemeinsamen Reisen hingegen, wird die Zweisamkeit eine 24-Stunden Angelegenheit. Da kann es durchaus passieren, dass man sich gegenseitig ein bisschen zu sehr auf die Pelle rückt. Gereiztheit und (unnötige) Streitereien können dann die Folge sein. Den Wunsch des Partners nach mehr Distanz solltest du also nicht allzu persönlich nehmen und Freiräume zuzulassen. Denn diese Freiräume können einem selbst sehr gut tun, indem man sie dazu nutzt, die eigenen Akkus – den eigenen Bedürfnissen entsprechend – aufzuladen. Und sei es, sich einfach mal Zeit und Luft zum Atmen zu geben!

Rätst du Paaren schon vor der Reise die Rollenverteilung festzulegen? Ich denke z.B. daran, dass mein Mann eher die „größeren“ Entscheidung voran treibt: Zum Beispiel bei der Hotelauswahl oder der Organisation der Aktivitäten. Ich bin dann für den „Feinschliff“ verantwortlich: Zum Beispiel den besten Preis auszuhandeln.

Das ist eine Möglichkeit. Überlege dir, welche Rollenverteilung  zu Hause gut funktioniert. Ist der eine Partner ein Organisationstalent und der andere der Spontanere von Beiden, dann musst du das Rad auf Reisen nicht neu erfinden. Werfe am besten auch einen Blick auf vergangene, gemeinsame Urlaube: Was hat besonders gut funktioniert? Wer übernahm die Planung? Wer war das größere Improvisationstalent von Beiden und wer behielt in unvorhersehbaren Situationen den kühleren Kopf?

Für andere Paare mag es sinnvoller erscheinen, sich nicht auf „Rollen“ zu versteifen. Auf einer großen Reise kann man nämlich sich, seine Fähigkeiten und Verhaltensweisen neu erfinden, sich ausprobieren und sich auch mal außerhalb seiner Komfort-Zone bewegen. Dieses Verhalten kann allerdings beim Partner durchaus zu Irritationen führen und es kann bei ihm beispielsweise das Gefühl aufkommen, dass ihm das Ruder aus der Hand genommen wird.

Sprecht dann miteinander und kommuniziert ehrlich, was euch bewegt und was ihr auf der Reise gerne mal (an euch) testen möchtet. Wecke die Lust beim Partner, dass man als ein eingespieltes Team auf Reisen mal neue und spannende Verhaltensweisen aneinander entdecken kann.

Eine große Sorge: Aus Liebenden werden Freunde. Hast du Tipps, dass die Liebesbeziehung auf einer langen Reise nicht „einschläft“?

Vorne weg: Aus meiner Sicht ist das Risiko, sich zu trennen oder nur noch Freundschaft für den anderen zu empfinden, deutlich höher, wenn nur einer der Partner sich auf eine Reise begibt. Denn eine lange gemeinsame Reise – mit all den Eindrücken und Erfahrungen, welche man dabei sammelt – verbindet!

Prinzipiell gilt auf Reisen aber das Gleiche, wie in den häuslichen vier Wänden. Wenn wir liebevoll miteinander umgehen, einander wertschätzen und positiv miteinander kommunizieren, sind das schon sehr gute Voraussetzungen für eine gelungene Reise.

Versuche, auch auf einer langen Reise, Toleranz für die kleinen und größeren Macken des Anderen aufzubringen. Humor halte ich für eines der besten Mittel mit den Widrigkeiten des Reisens umzugehen.

Um gezielt die Liebesbeziehung zueinander zu fokussieren, achte vor allem darauf, miteinander in Kontakt zu bleiben. Das verbindet als Paar! Hegt körperliche und emotionale Nähe zueinander. Sprecht offen darüber, was euch bewegt, was euch beflügelt und inspiriert, aber auch welche Unsicherheiten und Ängste euch aktuell beschäftigen. Nehmt euch auch auf Reisen bewusst Paar-Zeit und priorisiert euch in dieser Zeit als Paar und nicht das Reise-Umfeld.

Was passiert nach der Reise? Auf was sollten wir als Paar vorbereitet sein?

Es ist hilfreich sich als Paar schon vor Antritt der Reise bewusst zu machen, dass nach der Rückkehr vieles anders sein kann. Denn alle Impressionen, Inspirationen und das Eintauchen in fremde Kulturen verändern einen selbst und unsere Sichtweise auf so manches.

So verbinden zwar gemeinsame Erfahrungen, jedoch verarbeitet jeder diese für sich anders. Daher ist es möglich, dass jeder aus den Erfahrungen Dinge machen möchte, die nicht zwingend deckungsgleich sind.

Man wird mit den Fragen konfrontiert: Können wir die neuen, bisher unbekannten, Seiten am Anderen akzeptieren und lieben lernen oder wünschen wir uns nichts sehnlicher als den alten Partner zurück? Auch hier liegt der Schlüssel in der Kommunikation.

Genauso wie das Reisen, ist auch die Partnerschaft ein Abenteuer!

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Hi, ich bin die Steffi: Reisende, Frischluftsüchtige, Bewegungsjunkie, Bergliebhaberin, Aussichten-Genießerin, Mama des Weltreisebabys und Autorin des Reiseblogs a daily travel mate. Der Reiseblog für große und kleine Aktiv-Reisende.

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